Vietnamesische Kardinalfische züchten,

nichts leichter als das …

Na gut, noch leichter geht es vielleicht mit den Lebendgebärenden, zumindest was die Zeit bis zum Freischwimmen angeht.

Wenn hier von der Eiablage bis zum Schlupf grundlegende Dinge beachtet werden, dann  ist eine Zucht kein Problem.

 

Was gilt es zu beachten?

Nun die Frage ist erst mal möchte man nur ein paar Tiere zur Vergrößerung seines vorhandenen Schwarmes aufziehen? Dann muss eigentlich nichts gemacht werden.
Solange im Hälterungsbecken keine bzw. nicht zu viele Laichräuber zu finden sind und es ein wenig krautige Pflanzen wie Javamoos o.ä. gibt, dann lasst die Kerlchen mal machen.

Bei mir hat sich mein Bestand von anfänglich zehn Fischlein innerhalb eines Jahres zu einer ca. Dreizig Mann starken Truppe gemausert.
Und das mit Laichräubern wie Red Fire Garnelen, Schnecken und Ancictrus Welsen.

Ich habe immer so ein bis zwei Jungfische im Becken schwimmen, trotz der großen Anzahl an Fressfeinden.

Das würde dann unter den Punkt Vermehrung fallen.

Von Zucht rede ich erst, wenn ich gezielt Tiere zur Vermehrung ansetze, das Ziel ist bei den Vietnamesichen Kardinalfischen nicht eine bestimmte Farbe oder Flossenform.
Für mich zählen eher die Werte: gute gesunde Fische mit kräftiger Zeichnung und Vitalität.

Daher werden zur Zucht auch nur die augenscheinlich besten Tiere angesetzt.
So habe ich es immer gehalten, egal welche Fische ich zur Zucht angesetzt habe.

Ganz so wie bei vielen Tierarten üblich, dürfen sich nur die Ranghöchsten kräftigsten Tiere vermehren. (Zugegeben den  Rang entscheide dann ich.)

Das Ergebnis bei meinen Fischen sind kräftige, vitale Tiere mit wunderschöner Farbzeichnung.

Im übrigen sollte man Fische nur Züchten, wenn man auch jemanden hat, der die Fische abnimmt.

Bei der gezielten Zucht kann man innerhalb eines Jahres zu einer sehr großen Anzahl an Nachkommen kommen. Bitte beachtet das.

 

Die Zucht:

Meinem Prinzip der einfachen Aquaristik folgend habe ich das Keilbecken für mich entdeckt. (Auch bekannt als V-Becken)
Normalerweise bräuchte man bei den Vietnamesischen Kardinalfischen gar kein spezielles Zuchtbecken mit Laichrosten,Rinnen etc. auch ein Keilbecken braucht es nicht.

Die einfachste Möglichkeit wäre ein reines Artbecken, ohne Schnecken und ähnlichem.

Da aber auch die Halbwüchsigen den ganz kleinen Nachstellen könnten und vielleicht doch mal der eine oder andere Große einen extra Happen möchte, geht man mit der Methode den sichersten Weg.

Wie man sich ein Keilbecken selber baut habe ich unter Basteleien beschrieben, natürlich ganz einfach ;-)

Nun, gehen wir davon aus, Ihr habt schon ein fertiges Zuchtbecken, wie soll dieses eingerichtet sein und welche Tiere setzt man zur Zucht an?

Die Einrichtung des Zuchtbeckens kann genauso erfolgen wie beim Haltungsbecken, freier Schwimmraum und viele krautige Pflanzen sind hier schon ausreichend.
Als Bodengrund normalen Aquarienkies einbringen. Als Lichtquelle könnte das Tageslicht ausreichen aber aufgrund der Pflanzen sollte hier eine richtige Beleuchtung nicht fehlen.
Als Filter, eben ein passender zum Aquarium. Nur Sichern solltet Ihr ihn damit die kleinen nicht aufgesaugt werden können. Fertig.

Jetzt sucht Ihr euch aus eurem vorhandenen Schwarm das schönste und agilste Männchen, (es muss nicht das größte sein) und dazu mindestens 3 der besten Weibchen raus.
Wichtig ist das sie eine zum Fisch passende und gesunde Körperform haben, nicht zu dick oder zu dünn, kräftige Farben, gerade das Rot in den Flossen und der blau/schwarze Strich sind hier zu beachten.
Auch das Weiß im Flossensaum sollte durchgängig und möglichst kräftig sein.

Beim Strich sollte man bei den Männchen und Weibchen auf eine möglichst gerade Linie achten.

Dies kann mitunter sehr viel Zeit kosten, bis man genau die Fische gefangen hat welche man sich ausgesucht hatte, aber es lohnt sich.

Der Trupp kommt nun in das vorbereitete Zuchtbecken (das dieses eingefahren sein sollte versteht sich von selbst) damit sich die Zuchtgruppe gleich wohl fühlt mache ich vor dem Übersetzen einen großen Wasserwechsel im Zuchtbecken. Als Wechselwasser kommt aber kein Frisches rein, sondern das Wasser aus dem Haltungsbecken.

Zur Einfahrzeit des Zuchtbeckens habe ich auch immer die Hälfte Frischwasser und die andere Hälfte Haltungsbeckenwasser genommen, geht dann schneller und besser mit dem Einfahren.

Nun, wenn die Zuchtgruppe in Ihrem neuen Zuhause ist, heisst es erstmal warten.
Das dauert aber in der Regel nicht lange ca. eine Woche später sollte man schon die einen oder anderen Jungfische sehen können.
Um die Truppe bei Laune zu halten gibt es täglich zweimal Frostfutter und einmal die Woche wird ein großer Wasserwechsel gemacht.
Das war es auch schon.

Der Vorteil im Keilbecken ist jetzt, das die Elterntiere bzw. die Jungfische nicht extra entnommen werden müssen.
Die Jungfische werden zum größten Teil durch den Spalt ins Jungfischabteil gespült und können dort bis zu einer Größe von etwas über einen Zentimeter auch bleiben.
Wenn man mehrere Becken zur Verfügung hat, kann man sie auch übersetzen in ein extra Jungfischbecken.

Das sollte man spätestens dann machen, wenn die kleinen schon Halbwüchsig sind, erstens ist der Platz ja nur sehr begrenzt und zweitens könnte eines der ganz kleinen als Lebenfutter angesehen werden.

Die Kleinen sind nach dem Freischwimmen wirklich sehr klein, da stellt sich die Frage was füttern?

Füttern sollte man so oft wie es nur geht, natürlich nicht übertreiben aber wenn möglich wenigstens 3 mal täglich, das fördert ein gesundes Wachstum.

In den ersten Tagen geht es am besten mit Infusorien oder getreu meinem Motto die einfachere Methode JBL Nobil Fluid – Artemia.

Das Nobil Fluid kommt von der Firma Sera und ist ein flüssiges Futter, so fein, das die Kardinälchen es fressen können.

Das klappt sehr gut und ist ohne viel Aufwand zu besorgen.
Infusorien oder ein Mix aus beidem ist natürlich besser, dies ist aber die einfache Variante welche nicht wirklich zu Problemen bisher geführt hat.

Bis zu einer Größe von einem Zentimeter gebe ich noch parallel dazu feinstes Staubfutter, das Sera Micron.

Hier beide Artikel mit Link zu Amazon:

Nobil Fluid Artemia 50ml

Sera Micron, feinstes Staubfutter für Fischbrut

Wenn die kleinen dann ca. 1 cm  sind, kann mann auch Trockenfutter zugeben, muss nur richtig schön zwischen den Fingern zerrieben werden.

Artemia werden dann auch schon gerne genommen oder eben das Mikro Frostfutter.

In ca. 3 Monaten sind die kleinen dann schon in einer ordentlichen Größe vorhanden.
Wie lange die Tiere nun genau brauchen um ausgewachsen zu sein? Ganz ehrlich ich habe es mir nie gemerkt bzw. ist es nicht so einfach das im Haltungsbecken zu sehen.

Die Kerlchen welche ich bisher gezielt gezüchtet habe kamen mit ca. 2 cm in den Verkauf da waren sie um die 3 Monate alt.
Ich lass aber eh gerade zum Zeitpunkt des entstehens dieser Webseite (Dezember 2011) eine Zuchtgruppe laichen, kann also etwas später genaue Angaben machen.

Viel Spass beim Nach- und Mitmachen …

 

Update 28.01.2012

Es geht hier weiter, am 16.01. konnte ich die ersten Jungfische im linken Bereich ausmachen, man muss schon zweimal hinsehen um sie zu erkennen.
Ca. 2 mm lang und durchsichtig, es ist immer wieder ein Erlebnis.

Gefüttert habe ich bisher mit Novil Fluid und mit Infusorien, welche ich mir aus Protogen Granulat der Firma Hobby gezogen habe. Sie schwimmen eigentlich immer im Futter.
Jetzt 12 Tage später kann man sie schon besser erkennen, sie sind jetzt ca. 4 mm lang.

Einmal in der Woche mache ich Wasserwechsel, was den kleinen und den großen gut tut.
Hier ist wieder der Vorteil mit dem Keil, das Wasser wird auf der Elterlichen Seite abgesaugt, so braucht man keine Angst zu haben von den Winzlingen was abzusaugen.

Obwohl ich demnächst mal den Mulm im Babyabteil absaugen muss oder will, dazu nehme ich dann einen ganz dünnen Schlauch. (die man für z.B. Lüfterpumpen nimmt)

Eine Sache ist mir noch aufgefallen, zur Zucht hatte ich 4 Tiere angesetzt, im Zuchtbecken waren die Großen aber immer viel Blasser wie im Haltungsbecken.
Ich dachte erst an die Wasserqualität oder das es zu hell wäre etc. aber dem ist wohl nicht so.
Es sind halt Schwarmtiere, ich habe 5 Tierchen dazugesetzt und siehe da, die Farben waren wesentlich kräftiger.

Also wer Schwarmtiere hat, sollte sie auch im Schwarm (min. 8 – 10 Tiere) zur Zucht ansetzen, sie fühlen sich wahrscheinlich wohler, was dem Halter ja im Endeffekt auch zu gute kommt.

Nun gut jetzt hier aktuelle Fotos, die Kleinen bekomme ich bei der Größe nur sehr schlecht fotografiert.

(Jetzt 2 Jahre später hat sich das geändert dank Ivan, der mir schöne Nahaufnahmen zur Verfügung gestellt hat, ganz unten am Ende des Beitrages)

 

Die Zuchtgruppe, als Laichsubstrat habe ich hier Eheimgrün im Becken.

 

Nun folgt ein Suchbild, seht Ihr die 12 Jungfische auf dem folgenden Bildausschnitt?

 

12 Stück müssten zu sehen sein, nur wo?

 

Na gut, ich bin mal nicht so, hier die Auflösung:

 

Zugegeben ich musste auch 2 mal hinsehen :-)

Es sind natürlich mehr wie 12, geschätze 30 Jungfische wuseln im linken Abteil des Keilbeckens.

 

Update vom 18.03.2012

Ich habe mal wieder 2 Fotos, diesmal erkennt man auch etwas.
Auf dem ersten Foto erkennt Ihr 3 etwa 1,5 Monate alte Jungfische, ungefähre Größe knapp unter einem Zentimeter.
Ich habe sie mittlerweile aus dem Keilbereich in das Aufzuchtbecken gegeben. Das Aufzuchtbecken beherbergt nur ein paar Schnecken und meine Sakura Garnelen.
Es hat die Maße 40 x 40 x 40 cm und bietet zum groß werden genügend Platz. In dem Becken sind mittlerweile knapp 10 Tiere.

Wenn die kleinen knapp einen Zentimeter groß sind kommen sie in das Aufzuchtbecken.
Als Futter nehmen sie jetzt schon feinstes Flocken und Frostfutter.

Auf dem zweiten Bild seht Ihr die aktuelle Größe, knapp 1,3 cm die Posthornschnecken sind gut 1 cm groß.
Die Kerlchen sind jetzt 2 Monate alt und ich schätze Mitte nächsten Monats kommen sie auf gute 2 cm dann ist es nicht mehr weit bis zum ausgewachsenem Stadium.

Gut kann man am Bauch erkennen wie die Eingeweide ausgebildet werden.

 

Die Farben werden kräftiger und im leicht dunklen leuchten sie schon richtig wie kleine Neonfische.

 

2 Monate alte Vietnamesische Kardinalfische.

 

Update vom 08.05.2012

Ich habe mal wieder ein neues Foto, hier ist gut ein Teil der heranwachsenden im Aufzuchtbecken zu sehen.
Die Größenunterschiede sind zum Teil beträchtlich, das liegt einfach daran, das nicht alle zur gleichen Zeit geschlüpft sind.
Die größten sind jetzt fast 2 cm groß alle sind wohlauf und die nächsten Kleinen wachsen schon im Keilbecken heran.

Die derzeitige Größe der vietnamesischen Kardinalfische. Die Größenverhältnisse zwischen den einzelnen Bilder stimmt nicht, da mit verschieden Brennweiten fotografiert.

Mittlerweile habe ich gut 40 Jungfische seit dem 16.01.2012, nicht gerade die Riesen – Ausbeute aber auch nicht von schlechten Eltern, es ist ja auch nur eine Hobbyzucht.
Die ersten Jungfische mit den ca. 2 cm Körpergröße wären so schon abgabebereit, also brauchen sie nicht wie von mir vermutet 3 sondern wenigstens 4 Monate.

Ich bin ja gespannt wie lange es dauert um vom Ausgewachsen zu sprechen, ich denke dazu “lesen” wir uns in ca. 4 Monaten :-)

 

Geschafft – Anfang September

Ich habe jetzt kein extra Foto für euch, Ihr würdet aber eh nicht viel sehen, die ehemals kleinen haben jetzt die gleiche Größe wie Ihre Eltern.
Sie kamen jetzt ins Elternbecken, der Schwarm ist jetzt ausreichend groß, ich konnte sogar schon einige abgeben.

Somit haben sie vom Schlupf bis zum ausgewachsenem Stadium etwas mehr wie 7 Monate benötigt.
Nur die Männchen brauchen noch etwas bis die Flossen eine “beeindruckende” Länge erreichen.
Bis jetzt muss man schon genauer hinsehen ob nun Männchen oder Weibchen.

Was ein gutes Indiz ist, wenn ein halbwüchsiges bzw. noch nicht ganz lang beflosstes Männchen einem “alten” Männchen begegnet, macht der “alte” in einem kurzen Flossen-Posing klar wer hier der Chef ist und man kann sicher sein der andere war ein Männchen.

 

Update, fast genau 2 Jahre später (Oktober 2013)…

Ich habe heute eine Mail bekommen über die ich mich sehr gefreut habe.
Ivan heißt der Gute, er hatte Nachwuchs von seinen vietnamesischen Kardinalfischen und hat mir freundlicherweise 3 schöne Bilder hinterlassen.
So habe ich sie auch noch nicht sehen können. Die Jungfische sind nur wenige Tage alt.
Danke Ivan

(Die Rechte der folgenden Bilder liegen bei Ivan Leuzzi.)

v-kardinalfisch-makro-1

 

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